Gerechte Welt

Bewahrung der Schöpfung

Foz de Iguacu Wasserfall

Die Iguazú-Wasserfälle bestehen aus 20 größeren sowie 255 kleineren Wasserfällen, sie sind seit 2011 in die Liste der Sieben Weltwunder der Natur.

Bild: Hans-Martin Gloël

Eine Konsultation der bayerischen Landeskirche mit der Partnerkirche in Brasilien im Herbst 2019 macht deutlich: die Ausbeutung der Schöpfung hat auch mit weltweiten Beziehungen zu tun.

Der Regenwald brennt, genmanipuliertes Saatgut wird ausgestreut, Pestizide in hohem Maße verwendet: Brasilien ist buchstäblich ein Hotspot, wenn es um Fragen des Klimaschutzes und gesunder Ernährung geht. Abnehmer und Verbraucher in Europa sind aber Teil des Systems.  Die Konsultation der Kirchenleitungen der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sowie ein anschließendes Symposion mit den 18 Synodalpfarrern und -pfarrerinnen Brasiliens haben sich mit Fragen der Bewahrung der Schöpfung und der Rolle und der Verantwortung der Kirchen dabei  befasst.

Es hat sich in der Wahl zum Staatspräsidenten gezeigt und auch in der Debatte um den Klimaschutz:  zentrale Themen zu Politik und Klimaschutz werden in den 18 Synoden des Landes, zu denen über 600.000 evangelische Christen gehören sehr kontrovers diskutiert.

Informationen zum Thema Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien

Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien

Die Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB oder auch IECLB) ist aus der Migration von Deutschen nach Brasilien im 19. Jahrhundert hervorgegangen. Inzwischen hat sich die IECLB zu einer in der brasilianischen Gesellschaft verwurzelten Kirche entwickelt. In manchen Gemeinden spielt die deutsche Sprache in Gottesdienst und Seelsorge noch eine gewisse Rolle. Die IECLB ist geografisch vor allem im Süden Brasiliens beheimatet.

Professor Antonio Andreoli von der staatlichen Universität Federal da Fronteira Sul in Brasilien hat auf dem Symposion referiert und es begleitet. 2006 hat er an der Universität Osnabrück zum Thema Landwirtschaft und Anbau von Gentech-Soja in Brasilien promoviert. Gefragt, wie er die aktuelle Entwicklung zu seinem Arbeitsfeld einschätze sagt er: „Es ist 5 nach 12“, denn die Entwicklung genveränderter Pflanzen und ihre unabsehbaren Folgen, ja Gefahren für den Menschen  lassen sich nicht zurückholen. Der Flächenverbrauch in Brasilien ist enorm: man benötige in Südamerika eine Fläche von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns, um den Eiweißbedarf in deutschen Städten zu decken.

Andreoli macht nicht nur deutlich, welche Gesundheitsschäden Pestizide bei den Verbrauchern verursachen; er weist auch nach, dass die Produktivität sich in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen durch den Einsatz von Pestiziden und genmutierten Pflanzen nicht erhöht hat – bei Letzteren schon allein aufgrund der großen Wartezeit für ihre staatliche Zulassung auf dem Markt.

Es gibt aber auch  Projekte, die Hoffnung machen:

Schild Acempre Organisation Braislien

In der Provinz Paraná haben sich 85 Familien in einer Zentralvereinigung der Biobauern - der Organisation ACEMPRE - zusammengeschlossen.

Bild: Hans-Martin Gloel

In der Provinz Paraná haben sich in der Organisation ACEMPRE  (Zentralvereinigung der Biobauern) 85 Familien zusammengeschlossen, deren Betriebe vom Verein ECOVIDA als Biobauernhöfe zertifiziert worden sind. Einer der größten Erfolge von ACEMPRE ist es, dass sie es aller Voraussicht nach bis zum Jahr 2021 geschafft haben werden, dass 100 Prozent der Schulspeisungen im Bundesstaat Marechal Rondon biologisch sein werden.

Ein weiteres Hoffnungsprojekt ist die Zusammenarbeit des großen Wasserkraftwerks ITAIPU am Dreiländereck Brasilien, Paraguay, Argentinien mit CAPA, einer Vereinigung, die die Biobauern bei der Vermarktung ihrer ökologischen Produkte unterstützt. Das von den Staaten Brasilien und Paraguay gemeinsam betriebene und inzwischen von zwei Militärangehörigen geleitete Kraftwerk hat ein Interesse daran, dass die Betriebe der Kleinbauern um den See herum intakt bleiben. Kleinbauern (pro Kleinbauernbetrieb ca. 13 ha) sind nämlich die besten Bodenschützer. Durch angemessenen Anbau schützen sie den Boden vor Erosion. Erosion aber schwemmt Erde in das Becken des Kraftwerks und verkürzt dessen Lebensdauer entsprechend. Eine intakte Landwirtschaft macht hier alle zu Gewinnern: den Staat, die Industrie, die Kleinbauern und die Verbraucher sowieso.  

Professor Andreoli macht aber auch deutlich: es gibt noch sehr viel zu tun, um im Land das Bewusstsein für den Wert gesunden Essens zu entwickeln. Die brasilianischen Synodalpfarrer kehrten mit zahlreichen Impulsen nach Hause zurück, die helfen können, das Thema differenziert auch in der Kirche zu behandeln.


28.07.2020 / Hans-Martin Gloël