Handlungsfeld 6

Kirchenasyl

Pyramide in einem Kirchenraum

Kirche bietet Menschen Asyl - wichtig für ein konstruktives Miteinander in der einen Welt.

Bild: fotolia / TheRenderFish

Kirchenasyl hat eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten dient es Menschen in Not als letzte Zuflucht. Flüchtlinge und Asylbewerber wenden sich an Kirchengemeinden und bitten um Aufnahme.

Viele Kirchengemeinden sehen sich durch die Frage herausgefordert, wie Flüchtlingen in einer humanitär und rechtlich schwierigen Lage geholfen werden kann. Der  Ansprechpartner und Berater für Kirchenasyl der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern prüft gemeinsam mit dem Kirchenvorstand, dem verantwortlichen Pfarrer, der  Pfarrerin und dem beauftragten Rechtsbeistand, ob ein besonderer humanitärer Härtefall vorliegt.
Nur in diesem Fall wird ein so genanntes Kirchenasyl gewährt, eine Aufnahme auf Zeit in kirchlichen Räumen. Der Staat respektiert die Tradition des Kirchenasyls. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist zu einer erneuten Prüfung der humanitären Notlage des Flüchtlings bereit.

Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum. Asyl gewährt allein der Staat. Aber es ist ein wertvoller Dienst am Rechtsstaat, wenn sich Christinnen und Christen aufgrund ihres Gewissens, ihrer Glaubensüberzeugung und ihrer ethischen Maßstäbe dafür einsetzen, dass Flüchtlinge zu ihrem Recht kommen.

Zentraler Bestandteil unseres Grundgesetzes ist der Schutz der Menschenwürde. Sie ist  unantastbar und muss auch und gerade bei Menschen auf der Flucht gewahrt und gesichert werden. Kirchenasyl ist daher kein Affront gegen das Recht, sondern Dienst am Recht, das Leben zu schützen hat. Es konfrontiert staatliche Stellen mit der Frage nach dem Vollzug in der Praxis: Wie wird  das geltende Recht im konkreten Fall angewendet und was muss verbessert werden, um Asylsuchenden und ihrem berechtigten Wunsch nach einem Leben in Sicherheit gerecht werden zu können?

Wenn eine Kirchengemeinde konkret mit der Bitte um Kirchenasyl befasst ist, dann sind viele inhaltliche und organisatorische Fragen zu bedenken. Hierbei unterstützt der Berater und Ansprechpartner für Kirchenasyl der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Diakon Thomas Schmitt.


28.07.2020 / Claudia Dunckern