Plakataktion #beziehungsweise

Jüdisch und christlich – näher als du denkst

'Umkehren zum Leben' - Plakatmotiv für den Monat April

Jeden Monat macht die Aktion mit wechselnden Plakatmotiven auf sich aufmerksam.

Bild: #beziehungsweise

Was verbindet Christen und Juden? Welche eigenen Akzente setzen sie, wenn sie feiern? Impulse zum Nachdenken gibt die Plakataktion #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst.

Schon im Jahr 321 werden erstmals Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschland urkundlich bezeugt – also sogar noch vor den ersten schriftlichen Belegen für christliches Leben hier. 2021 feiert Deutschland den Reichtum der 1.700 Jahre jüdischen Lebens.

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Die christlichen Kirchen beteiligen sich mit einer besonderen Kampagne an diesem Festjahr:  Was verbindet Christen und Juden? Welche eigenen Akzente setzen sie, wenn sie feiern? Impulse zum Nachdenken über diese Fragen gibt die Plakataktion #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst. In insgesamt 14 Motiven folgt sie dem christlichen und jüdischen Kalender und öffnet den Blick für die vielfältigen Beziehungen zwischen Judentum und Christentum.

Die Evangelische Kirche in Deutschland und die katholische Deutsche Bischofskonferenz laden alle Gemeinden und Einrichtungen zum Mitmachen und Entdecken ein, und das bedeutet: Alle Interessierten können sich mit eigenen Ideen, Veranstaltungen und Aktionen in Gemeinden, Schulen oder im digitalen Raum an der Kampagne beteiligen.

"Umkehren zum Leben" beziehungsweise "Antisemitismus ist Sünde"

Eine jüdische Stimme

Antisemitismus hatte und hat mörderische Folgen, und selbst seine „milderen“ Varianten vergiften das Leben. Die religiös, rassisch oder politisch begründete Abwertung des Judentums fordert die jüdische Gemeinschaft zu allen Zeiten zu Antworten heraus. Manche Jüdinnen und Juden versuchten den Demütigungen zu entgehen, indem sie möglichst wenig als solche erkennbar sind und sich an die Umgebung assimilieren. Am anderen Ende des Spektrums finden sich jene, die diese Bemühungen als aussichtslos verwarfen und die Errichtung eines eigenen Gemeinwesens erstrebten, in dem Judenhass keine Chance mehr haben würde. Jüdische Gegenwehr äußerte sich auch in vielfältigen Formen von Aufklärung, Apologetik und Entkräftung antisemitischer Anwürfe. Der Verunsicherung von außen wurde Stolz auf die eigene Kultur, Religion und Geschichte entgegengesetzt. Nur wenige ließen sich beeindrucken von christlichen Missionierungsversuchen, gleich ob sie als Zwang oder in vermeintlicher Liebe vorgetragen wurden.

Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Eine christliche Stimme

„Der Antisemitismus hat .... seinen Sitz .... in einem bösen Herzen.“ Peter von der Osten-Sacken

Das vorangestellte Zitat eines der Großen im jüdisch-christlichen Dialog verweist darauf, dass es sich hier um eine theologisch begründete Reflexion zum Antisemitismus handelt. Es geht mithin nicht um die gesellschaftlich-politische Analyse des Antisemitismus, der in den letzten Jahren auch in Deutschland immer unverhohlener seine Fratze zeigt und Jüdinnen und Juden existentiell und damit die gesamte demokratische Kultur und Gesellschaft bedroht. Diesen Antisemitismus zu bekämpfen ist Aufgabe dieser Gesellschaft, und zwar nicht nur aus Verantwortung vor der Geschichte und aus Solidarität, sondern auch aus der Einsicht, dass da, wo er obsiegt, keine menschenwürdige Existenz mehr möglich ist.

Die anders fundierte Rede vom Antisemitismus unterscheidet sich nicht zuletzt dadurch, dass ihr die distanzierte abstrakte Redeform nur begrenzt möglich ist. Gewiss ist es durchführbar, den Antisemitismus als ein Phänomen der Kirchengeschichte zu beschreiben, das je unterschiedlich Theologie und Kirche beeinflusste, aber selbst in diesem Kontext kann nicht davon abgesehen werden, dass Sünde getan wird, es also Akteure der Sünde gibt. Wenn man vom Antisemitismus spricht, kann man von den Antisemiten nicht schweigen. Ihre Haltung und Tun müssen als Sünde benannt werden, weil sie eine Verneinung der Anderen leben, biblisch gesprochen: sie hassen. Sie können sich einreden, ihr Hass wäre beschränkt auf bestimmte Menschen, aber der Antisemitismus ist eine Sünde, die den Menschen zur Gänze erfasst. Es gibt keine guten Antisemiten. Dann noch zu meinen, man könne an den einen wahren Gott glauben, ist nicht einsichtiger als das Reden Kains.

Univ.-Prof. Dr. Rainer Kampling

Zwei besondere digitale Veranstaltungsreihen begleiten das gesamte Jahr:
In der Reihe „Gelehrte im Gespräch“ erklären christliche und jüdische Fachleute das jeweilige Monatsthema. An jedem dritten Dienstag im Monat zwischen 19 und 20 Uhr können alle Interessierten über den Videodienst Zoom teilnehmen. Hier können Sie sich dazu anmelden. An jedem zweiten Mittwoch im Monat vertiefen außerdem zwei Fachleute aus Berlin das aktuelle Monatsblatt.

Weitere Informationen dazu sowie zu allen weiteren bundesweiten Veranstaltungen finden Sie im Veranstaltungskalender von #beziehungsweise.


11.01.2021 / Töllner