Plakatmotiv 'Verbunden im Gedenken'

Jeden Monat macht die Aktion mit wechselnden Plakatmotiven auf sich aufmerksam.

Bild: #beziehungsweise

Plakataktion #beziehungsweise

Jüdisch und christlich – näher als du denkst

Was verbindet Christen und Juden? Welche eigenen Akzente setzen sie, wenn sie feiern? Impulse zum Nachdenken gibt die Plakataktion #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst.

Schon im Jahr 321 werden erstmals Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschland urkundlich bezeugt – also sogar noch vor den ersten schriftlichen Belegen für christliches Leben hier. 2021 feiert Deutschland den Reichtum der 1.700 Jahre jüdischen Lebens.

Die christlichen Kirchen beteiligen sich mit einer besonderen Kampagne an diesem Festjahr:  Was verbindet Christen und Juden? Welche eigenen Akzente setzen sie, wenn sie feiern? Impulse zum Nachdenken über diese Fragen gibt die Plakataktion #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst. In insgesamt 14 Motiven folgt sie dem christlichen und jüdischen Kalender und öffnet den Blick für die vielfältigen Beziehungen zwischen Judentum und Christentum.

Die Evangelische Kirche in Deutschland und die katholische Deutsche Bischofskonferenz laden alle Gemeinden und Einrichtungen zum Mitmachen und Entdecken ein, und das bedeutet: Alle Interessierten können sich mit eigenen Ideen, Veranstaltungen und Aktionen in Gemeinden, Schulen oder im digitalen Raum an der Kampagne beteiligen.

"Freude am Erwachsenwerden" - Bar-Mizwa beziehungsweise Firmung/Konfirmation

„Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, soll meine rechte Hand verdorren, meine Zunge soll am Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke.“

Diese Worte des 137. Psalms widerspiegeln die Bedeutung der Zionsstadt für Israel. Hier stand der Tempel, in dem Gottes Gegenwart unmittelbar spürbar war, die Stadt war religiöses und politisches Zentrum. Doch mit der Zerstörung von Heiligtum und Stadt durch die Römer im Jahr 70 n. war Israel seiner Mitte beraubt, das Volk wurde auf Jahrhunderte ins Exil getrieben. An diese Katastrophe erinnert Tischah BeAw, der Trauertag, der mit Fasten und Trauergesängen verbracht wird. Das Rezitieren biblischen Klagelieder vergegenwärtigt den Verlust.

Doch das Judentum verharrte nicht in der Zerstörung. Jerusalem blieb als Fokus präsent, indem die Gebete dorthin ausgerichtet werden, in Feier- und Fastentagen wie auch bei traurigen wie freudigen Anlässen der Stadt gedacht wird. Aber jüdisches Leben ging weiter und kehrte nach Jerusalem zurück. Bis heute eint Menschen weltweit die Hoffnung auf Zion als Ort, wo „Liebe und Wahrheit sich begegnen, Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“ (Ps 85, 11).

Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Die Geschichte des „Israelsonntags“ ist wie ein Spiegel und zeigt, wie evangelische Christinnen und Christen jüdische Geschichte und Gegenwart wahrgenommen haben. Am 10. Sonntag nach dem Trinitatisfest – im zeitlichen Umfeld des jüdischen Gedenktags Tischa B’av – wurde seit dem Hochmittelalter in christlichen Gottesdiensten ein Abschnitt aus dem Lukasevangelium gelesen, in dem Jesus über Jerusalem weint und die Zerstörung der Stadt ankündigt (Lk 19,41–48). In der Reformation gewann dieser Tag als „Gedenktag der Zerstörung Jerusalems“ an Bedeutung. Viel zu häufig wurde Lk 19 dabei als Hinweis auf die vermeintliche ‚Verwerfung‘ des jüdischen Volkes verstanden, weil es Jesus nicht als Messias erkannt habe. Einige wenige Gemeinden feierten aber auch Klagegottesdienste und brachten eigene Not im Lichte der „Zerstörung Jerusalems“ vor Gott. Erst durch den jüdisch-christlichen Dialog wurde der Israelsonntag zu einem Tag der Freude über die bleibende Erwählung von Jüdinnen und Juden und der Entdeckung dessen, was Juden und Christen verbindet. Davon erzählt das neue Evangelium des Tages (Mk 12,28–34), das auch in der katholischen Leseordnung begegnet. So bedeutet der Tag die Chance zu einem Gedenken, das in eine gemeinsame Zukunft weist und alter wie neuer Judenfeindschaft entschieden entgegentritt.

Alexander Deeg

Zwei besondere digitale Veranstaltungsreihen begleiten das gesamte Jahr:
In der Reihe „Gelehrte im Gespräch“ erklären christliche und jüdische Fachleute das jeweilige Monatsthema. An jedem dritten Dienstag im Monat zwischen 19 und 20 Uhr können alle Interessierten über den Videodienst Zoom teilnehmen. Hier können Sie sich dazu anmelden. An jedem zweiten Mittwoch im Monat vertiefen außerdem zwei Fachleute aus Berlin das aktuelle Monatsblatt.

Weitere Informationen dazu sowie zu allen weiteren bundesweiten Veranstaltungen finden Sie im Veranstaltungskalender von #beziehungsweise.

07.04.2021
Töllner

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