Engagement weltweit

Naher Osten

Junge Christen im Nahla Valley im Nordirak in den Bergen Kurdistans.

Untersützung und Aufbauhilfe für die Menschen im Nahla Valley, im Bild junge Christen in den Bergen Kurdistans im Nordirak..

Bild: Hans-Martin Gloel

Unterstützung für den Nordirak: Das Engagement der bayerischen Landeskirche steht unter dem Motto „To keep the hope alive!“, das heißt auf deutsch "die Hoffnung aufrecht halten".

Der Weg der bayerischen Landeskirche in den Nordirak führt über den Tur Abdin. In den 1970er und 80er Jahren kamen viele Menschen aus der Türkei, Syrien und dem Irak nach Deutschland um hier zu studieren und zu arbeiten. Die ELKB förderte die Ansiedlung von christlichen, vor allem syrisch-orthodoxen Familien aus der Südosttürkei in Augsburg. In Kooperation mit der Evangelischen Landeskirche Württembergs besuchten Vertreter der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern den Tur Abdin und 1995 erstmals den Nordirak, der für die Christen  in der Region zusammen mit dem Tur Abdin und einigen Regionen Syriens einen gemeinsamen Kulturraum bildet.

Bereits 1993 wurde von Archimandrit Emanuel Youkhana (Assyrische Kirche des Ostens) zusammen mit anderen Christen das überkonfessionell arbeitende Hilfswerk CAPNI (Christian Aid  Program for Northern/Nohadra Iraq) gegründet, das die bayerische Landeskirche seit Mitte der 1990er Jahre unterstützt. Der Nordirak hat sich damit zum Schwerpunkt der Nahostarbeit entwickelt.

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Doppelstrategie: Nothilfe und Hoffnungsprojekte

Neben dem Lutherischen Weltdienst mit seinem Büro im Nordirak ist CAPNI der Hauptpartner für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern im Irak. Geographisch findet die Arbeit im kurdischen Autonomiegebiet und in der Ninive-Ebene statt. Mit einem Umfang von jährlich bis zu 2 Millionen Euro läuft die Unterstützung der Landeskirche im Irak auf zwei Schienen:

  • Nothilfe: vor allem für innerhalb des Landes Vertriebene/Geflohene, unabhängig von konfessioneller und religiöser Zugehörigkeit
  • Hoffnungsprojekte (Motto von CAPNI: “To keep the hope alive!”)
  • Aufbau und Renovierung von Kirchen und Häusern, die vom „Islamischen Staat“ beschädigt wurden
  • Mikrokredite für Familien, um sich eine Existenz aufzubauen (Friseursalon, Restaurant, Kfz-Werkstatt und ähnliches)
  • Förderung christlichen Lebens (liturgische und geschichtliche Literatur; Kurse für Frauen und Jugend und ähnliches)
  • Bau eines Hauses Kirchlicher Dienste (Hauptquartier von CAPNI), das die Rolle und Präsenz von Christinnen und Christen in der Region stärkt

Buchempfehlung

Cover des Buches Thomas Prieto Peral, Horst Oberkampf (Herausgeber): Heimat oder Exil Zur Lage der Christen im Irak

Thomas Prieto Peral, Horst Oberkampf (Herausgeber)

Heimat oder Exil Zur Lage der Christen im Irak

Der Irak ist uraltes biblisches Land, was bereits im Titel des ersten Beitrags anklingt: „Abrahams Erben und Ninives Fluch“. Das Buch vermittelt einen Einblick in die Geschichte der Kirchen und Konfessionen der Region, beleuchtet aber vor allem die Herausforderungen für die Christen im Irak in der Gegenwart. Deutlich wird in einigen Beiträgen auch, wie sich Kirchen und Politik in Deutschland engagieren, um den Menschen ein Bleiben in ihrem Heimatland zu ermöglichen.
Geschrieben vor der Invasion des sog. Islamischen Staates ist die Titelfrage des Buches für die Minderheiten des Landes inzwischen noch drängender geworden: „Heimat oder Exil?“

Die Zusammenarbeit sowie das Beten und Feiern über Konfessionsgrenzen hinweg symbolisieren den einen Leib Christi, seine weltweite Kirche. Die Evangelisch-Lutherische Kirche möchte dazu beitragen, dass lebendiger christlicher Glaube in der Ursprungsregion des christlichen Glaubens eine Zukunft hat. Menschen sollen nicht fliehen müssen, sondern in ihrer Heimat die Hilfe erhalten, die es ihnen ermöglicht zu bleiben. Ziel der operativen Arbeit ist nicht zuletzt auch eine immer größere materielle Unabhängigkeit der Partner. Dies wird – zusätzlich zum Hauptquartier von CAPNI – durch ein weiteres Immobilienprojekt versucht, das durch Vermietung Einnahmen für die Organisation generiert.

Mehr zum Thema

Keine Einbahnstraße: Perspektive und Impulse für die bayerische Landeskirche

  • Back to the roots: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern pflegt die geschichtlichen, kulturellen und spirituellen Wurzeln christlichen Glaubens und fördert das Bewusstsein ihrer Kirchenmitglieder für die Ursprungsregion unseres Glaubens.
  • Unsere Gesellschaft und unsere Kirche werden immer mehr von Menschen aus dieser Region geprägt. Die unmittelbaren Kontakte in diese Region helfen uns beim Umgang mit dieser neuen Vielfalt. Wir lernen von deren schmerzhaften, aber auch chancenreichen jahrhundertelangen Erfahrungen multiethnischer und multireligiöser Koexistenz.
  • Die Absprachen und das gemeinsame Handeln mit den anderen Partnern von CAPNI anderer Konfessionen vertiefen die ökumenische Verbundenheit.

Zur Person

Fluss im Nahla Valley, Bild: © Michael Martin

Projektbeispiel Nahla-Tal

Die ELKB beabsichtigt, im Nahla-Tal in der Bergregion des Kurdischen Autonomiegebiets des Irak sieben christliche und ein muslimisches Dorf, das sind insgesamt ca. 1000 Einwohner, zu fördern, um jungen Menschen zu helfen, ihre Zukunft dort zu entwickeln. Mit Sondermitteln von rund 1 Million Euro werden Bewässerungskanäle gebaut, um die Landwirtschaft zu intensivieren, eventuell ein Gemeinschaftszentrum für Feste und andere Veranstaltungen errichtet und anderes mehr.  Dies soll Beitrag zur Entwicklung einer zusammenhängenden Region sein, so dass junge Menschen, Christen und Muslime dort eine Zukunft haben.


28.07.2020 / Hans-Martin Gloël